Gotthilf Ludwig Möckel 
(Baumeister und geheimer Hofbaurat)

geboren:
22.07.1838 in Zwickau
gestorben:
26.10.1915 in Bad Doberan


Gotthilf Ludwig Möckel erwarb sein Wissen von seinem Lehrer K. W. Hase.  Er studierte am Polytechnikum in Hannover, einer Schule, die das Studium der alten Gotik, besonders des norddeutschen mittelalterlichen Ziegelbaus, wissenschaftlich betrieb. Geprägt durch dieses Studium schuf er hauptsächlich Bauten in der neogotischen Backsteinarchitektur.

In Zwickau und Dresden war er von 1866-1884 als Privatarchitekt tätig. Wobei der Schwerpunkt in seiner Zwickauer Zeit im Bau von bürgerlichen Wohnhäusern und Villen. Es entstanden z. Bsp. eine Wohnhauszeile in der Römerstraße in Zwickau, die Villen List und Ebert sowie die Bade- und Heilanstalt in Zwickau.

1873 beteiligte sich Möckel an einem Wettbewerb zum Bau der Johanneskirche in Dresden. Der Erhalt dieses bedeutenden Auftrages hatte den für sein weiteres Leben wichtigen Umzug nach Dresden zur Folge. Diese Kirche gilt als Möckels bedeutendstes sakrales Bauwerk und zugleich, als über den Dresdner Raum hinaus, bester neogotischer Kirchenbau, der seinem Baumeister zu einem beruflichen Durchbruch verhalf. In den Jahren von 1880 bis 1882 wurden 22 Objekte von Möckel bearbeitet, davon 18 Kirchenbauten und 4 Schlösser. Beispiele Möckelschen Sakralbaus finden sich u.a. in Striesen, Reudnitz, Döhlen und Löbau.

1877 restaurierte er das Doberaner Beinhaus und baute die katholische Kapelle in Heiligendamm, dabei lernte er auch die Klosterkirche von Bad Doberan kennen und setzte den Großherzog Friedrich Fanz II. von dem desolaten Zustand in Kenntnis, worauf dieser ihm den Auftrag der Restaurierung erteilte.

Im Jahre 1884 wurde er zum Leiter des mecklenburgischen Kirchenbauwesens ernannt. Unter seiner Leitung wurden Villen, Wohn- und Geschäftshäuser, Schulen, städtische und Staatsgebäuden (z.B. das Ständehaus Rostock) gebaut.

Möckels Name ist untrennbar mit einer Vielzahl von Kirchenbauten verbunden. Zu diesen Bauwerken in neugotischem Stil gehören unter anderem auch die Johanniskirche in Dresden, die Erlöser- und Samariterkirche zu Berlin und die Johanniskirche in Izmir (Türkei). Im Mecklenburger Raum sind bekannte Möckelbauten das Ständehaus in Rostock, das Jagdschloss in Gelbensande, beide Kirchen in Heiligendamm und viele Wohnhäuser in Bad Doberan.

Insgesamt konzipierte Möckel 130 Bauten, von denen 122 realisiert worden. Mit Vorliebe pflegte er bei seinen Bauvorhaben den aus der Shakespearezeit stammenden Cottage-Stil.

Im Alter von 77 Jahren bat Möckel seine Dienststelle ihn wegen "zunehmender Kränklichkeit" ab 1. Oktober 1915 in den Ruhestand zu versetzen. Bereits am 26. Oktober 1915 verstarb Gotthilf Ludwig Möckel in Doberan. Er wurde auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.
Möckelbau in Bad Doberan