Martha Müller-Grählert
(Heimatdichterin)

geboren:
20. November 1876 in Barth als Johanna Daatz
gestorben:
18. November 1939 in Franzburg bei Stralsund


Martha Müller-Grählert wurde am 20. November 1876 in Barth als Johanna Daatz geboren. Der Zingster Müllermeister Friedrich Grählert heiratete 1879 ihre ledige Mutter und lies Johannas Vornamen  ebenfalls ändern. Sie verbrachte ihre Kindheits- und Jugendjahre in Zingst. Nach dem Abschluss des Franzburger Lehrerseminars arbeitete sie als Hauslehrerin.

1898  wurde sie Redakteurin des "Deutschen Familienblattes" in Berlin und lernte den Agrarwissenschaftler Dr. Max Müller kennen, den sie 1904 heiratete. In Berlin vom Heimweh gepackt schrieb sie auch ihr um die Welt gehendes Gedicht von den Ostseewellen in vorpommerschem Platt, mit dem Titel "Mine Heimat"(bekannt unter dem Namen "Wo de Ostseewellen..."). Es wurde 1907 zum ersten Mal in den "Meggendorfer Blättern" veröffentlicht. Ebenso erschien 1907 das Buch "Schelmenstücke".

Ein aus Flensburg stammender Züricher Glaser schnitt sich das Gedicht "Mine Heimat" aus den Blättern aus. Er sang im Züricher "Arbeiter-Männergesangsverein" unter der Leitung des Thüringers Simon Krannig, diesen bat er das Gedicht zu vertonen. Der kirchliche Organist Krannig setzte sich begeistert ans Klavier und in der nächsten Stunde konnten beide das entstandene Lied singen. Als der Glaser wenig später verstarb, sang der Männerchor ihm das Lied als Uraufführung am Grabe.

1911 folgte sie ihrem Mann nach Sapporo, er hatte eine Berufung als Professor an die japanische Universität. 1914 erreichte die Müllers die schockierende Nachricht vom Ausbruch des Krieges in Europa. In einer 1 1/2 Jahre dauernden Odyssee durch mehrere Länder, kehrte das Ehepaar nach Deutschland zurück. Dann zerbrach die Ehe und damit die gutbürgerliche Existenzgrundlage von Martha Müller-Grähler.

Seit 1924 lebte sie wieder in ihrer Ostseeheimat in ihrem "Sünnenkringel" - Haus in Zingst. Als "Mudder Möllersch" hielt Sie Vortragsabende und schrieb weiter Gedichte für Zeitungen und die Bücher "Mudder Möllersch' Reis na Berlin"(1920) und  "Sunnenkringel" (Band I 1925, Band II 1931). Es folgten Jahre in wirtschaftlicher Not und viele Prozesse um die Anerkennung ihrer Urheberrechte des Ostseewellenliedes. 1936 wurden ihr und dem Komponisten Krannig diese endlich zugestanden, leider nur ein moralischer Erfolg, denn für sie ist es zu spät, um auch materiell davon zu profitieren. 

Im März 1939 zog sie fast erblindet in das Altersheim Franzburg bei Stralsund und starb dort am 18. November 1939 arm und vereinsamt, wie ihr letztes Gedicht "Fru Einsamkeit" beschreibt. "Hier ist miene Heimat hier bün ick to Hus" steht auf ihrem Grabkreuz auf dem Zingster Friedhof.

Im Zingster Heimatmuseum ist Martha Müller-Grähler ein besonderes Zimmer gewidmet, dort erfährt man viel wissenswertes über die Heimatdichterin. Außerdem verleiht der Zingster Bürgermeister jährlich den "Martha Müller-Grählert-Preis", den Bürger oder Gruppen für hervorragende Leistungen um die Pflege des Erbes von Martha Müller-Grählert erhalten.