Die Sage von der Hertha-Quelle bei Binz
(Sage von der Ostseeküste)

Die Göttin Hertha spielt in der Sagenwelt Rügens eine bedeutende Rolle. Der Hertha-See und die Hertha-Buche auf der Halbinsel Jasmund sind weit über die Inselgrenzen hinaus bekannt. Aber auch die Sage um die Hertha-Quelle am Binzer Strand verdient es erzählt zu werden.

Die Göttin Hertha hatte die Angewohnheit, zur Erntezeit auf einem mit Kühen bespannten Wagen über das Rügener Land zu fahren. Eines Tages erreichte sie auch jene Stelle, an der heute die Orte Binz und Prora aufeinander treffen. Denn hier befand sich ein Flecken mit Ausgestoßenen, Alte und Kranke aus den umliegenden Dörfern hausten hier erbärmlich. Hertha war eine barmherzige Göttin und als sie sah, welches Elend sich da vor ihren Augen abspielte, ließ sie eine Quelle aus dem Boden treten. Diese hatte heilende Kräfte, so dass die Alten wider Jung wurden und die Kranken Genesung fanden. Schnell verbreitete sich auf der Insel Rügen die Kunde von der Hertha-Quelle und wurde für viele Menschen zur Pilgerstätte.

Von dieser heilenden Wunderquelle erfuhr eines Tages auch ein reiches Weib von der Halbinsel Wittow. Viele Tage lief die Frau, um aus der Kraft der Quelle ihre Jugend wieder zu erlangen. Dort eingetroffen, wollte sie keine Zeit verlieren und drängte andere beiseite. Jeder ob Kind, Frau oder Mann, wurde von ihr aus dem Weg geräumt. Direkt an der Quelle stießen ihre Füße ein altes, verhärmtes Mütterchen in den Sand und zornige Flüche ergossen sich über die umstehenden Menschen. Im selben Augenblick versiegte die Quelle auf immer im sandigen Boden des Dünenwaldes. Tief unter der Insel Rügen, im ewigen Dunkel des Schoßes der Mutter Erde bildete sich aus dem Wasser ein Meer. Wem es gelingt, die Quelle eines Tages wieder an das Tageslicht zu holen, dem werden Schmerzen und Leiden gelindert und ein Stück Jugend wiedergegeben.

Ob es diese Quelle jemals gegeben hat bleibt offen. Allerdings hat der Unternehmer Wolfgang Möser wohl an sie geglaubt und an der Stelle mit dem Erfolg bohren lassen. Heute sprudeln mehrere heiße Quellen unter dem Seehotel "Binz-Therme".